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Marbacher Zeitung | Zwei Generationen schneiden Seite an Seite

Generationen Seite an Seite

Steinheim – Es hat schon seine Zeit gedauert, bis wir das so hinbekommen haben“, erinnert sich Marcus Krämer an die Anfänge im elterlichen Friseursalon. Und daran, dass er als Lehrling auf keinen Fall beim Vater lernen wollte. „Von ihm habe ich mir nämlich damals nichts sagen lassen“, argumentiert der heutige Friseurmeister, der nun seit mehr als fünf Jahren den Laden in Steinheim führt.

Gelernt hatte der junge Mann deshalb weit weg von zuhause – und zwar in Geislingen an der Steige. Und weil er hoch hinaus wollte, musste es ein Weltmeister seines Faches sein, bei dem Marcus Krämer sein Handwerk erlernte. Dazu hatte er die Mühe auf sich genommen, im Filstal zu wohnen, um dort die anspruchsvollen Techniken, aber auch die Launen des Lehrherrn akzeptieren zu lernen.

Dass Marcus Krämer mit einer besonderen Begabung und einem treibenden Ehrgeiz ausgestattet war, hatte der Sohn seinem Erzeuger gegenüber äußerst frühzeitig demonstriert. Schon mit zehn Jahren stand er vor ihm und posaunte im Laden frech heraus: „Was Du kannst, kann ich schon lange.“ Reinhold Krämer reizte die provokative Aussage seines an sich schüchternen Sohnes und er meldete ihn bei nächster Gelegenheit für einen Wettbewerb an, bei dem „Friseurmeister und deren Nachwuchs“ antraten. Mit dem Resultat, dass der Junge, der beim Vater eifrig geübt hatte, mit einer Goldmedaille nach Hause kam. „Das hat mich so angefixt, dass ich weitermachen musste“, erzählt Krämer Junior von der Sucht, sich fortan mit anderen zu messen. So holte er noch vor dem eigentlichen Start seiner Friseur-Lehre eine schier unglaubliche Zahl an Pokalen in den väterlichen Friseursalon. Darunter auch den „Süddeutschen Meister im Make-up“.

Mutter Brunhilde, die als Kauffrau ausgebildet war, nach der Heirat aber auf Friseurin umschulte, blickt noch heute mit beträchtlichem Stolz auf ihren Sohn. „Wir versuchten damals, alles für ihn möglich zu machen, auch wenn es eine große finanzielle Belastung war. Und wir haben immer an ihn geglaubt.“

Doch zurück zu den Anfängen. Selbst als Geselle zog es Marcus Krämer noch nicht in die Heimat. Stattdessen arbeitete er bei einem weiteren Profi, der ebenfalls „Weltmeister in der Teambewertung“ war, dieses Mal in Winnenden. „Bei ihm habe ich unglaublich viel gelernt“, schwärmt der Haarexperte von seinem früheren Arbeitgeber, der für ihn – ebenso wie der Vater – zum Vorbild wurde. „Seine Führungseigenschaften und die menschlichen Qualitäten haben mich enorm beeindruckt“, so Krämer, der es seinem Vorgesetzten später gleichtun wollte. Mit einer Art Softeinstieg, je zur Hälfte in Winnenden und im elterlichen Salon arbeitend, landete der Sohn wenige Jahre später schließlich wieder in Steinheim.

„Damals hat er viel frischen Wind reingebracht und es war sehr turbulent bei uns“, erinnert sich die Mutter an die erste Zeit, in der Sohn und Vater zeitweise heftig diskutierten. Denn jeder wollte seine Ideen einbringen. „Ich habe wohl mit viel Elan die Chefrolle beansprucht“, sagt der heute in Stuttgart wohnende Marcus Krämer, dessen Ideen nicht nur das Einbeziehen neuer Medien und innenarchitektonische Veränderungen zur Folge hatte, sondern durch die auch neue und andere Kunden gewonnen wurden.

Heute ist der 47-Jährige der allseits anerkannte Chef. Der Vater hat ihm den Laden übergeben und ist nun Angestellter seines Sohnes. Eine gute Regelung für den erfahrenen Friseur, der sich noch nicht zur Ruhe gesetzt hat: „Die erarbeiteten Werte bleiben so in der Familie.“ Und er betont: „Die Kunden fühlen sich in einer familiären Atmosphäre auch viel wohler. Bei uns wird viel gelacht.“ Doch nicht nur das unkomplizierte Verhältnis ist spürbar: Für Vater und Sohn scheint es zum Lebensinhalt geworden zu sein, die Kunden zu verschönern. Und Brunhilde Krämer hilft aus, wenn es personell eng wird. Darüber hinaus widmet sie sich dem Mittagessen, das alle gemeinsam einnehmen. „Danach halten meine Männer ein Mittagsschläfchen und ich kümmere mich darum, dass der Laden ordentlich aussieht.“

 

Quelle:
MARBACHER ZEITUNG, Von Cornelia Ohst 27.01.2018

 

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